Dienstag, 25. Oktober 2016

Perspektivenwechsel

Wir wurden kürzlich von einer älteren Dame kontaktiert, die sich auf ihren Spaziergängen im Meilwald regelmäßig von Mountainbikern bedroht fühlt. Wir haben sie vor Ort getroffen: Konkret ging es ihr um einen kurzen Hohlweg in der Nähe von Rathsberg, dessen Hänge als Spielwiese mit mehreren Abfahrten genutzt werden. Sie hatte ehrliche Angst, von einem plötzlich auftauchenden Mountainbiker umgefahren zu werden. Ihr Anliegen betrifft jedoch letztlich jeglichen von Fußgängern und Radfahrern gemeinsam benutzten Weg.
Während unseres Gesprächs fuhren zwei Biker in einigem Abstand ziemlich flott an uns vorbei. Kein Problem für mich, der gerne selbst schnell fährt. Für die Dame jedoch bereits ein Beispiel ihrer Angst. Sie schilderte weitere, möglicherweise brenzligere Situationen.

Ich versuche, mich in ihre Situation zu versetzen: Ich bin über 80 Jahre alt, sehr rüstig und wandere gerne. Als alter Mensch nehme ich die Umgebung anders wahr als mit meinen aktuellen 34 Jahren: Wahrscheinlich sehe ich noch etwas schlechter. Mag sein, dass mein Gesichtsfeld eingeschränkt ist. Ich höre schlechter, reagiere langsamer. Eine meiner Hauptsorgen ist, zu stürzen und so u.U. meine Selbständigkeit zu verlieren. Als alter Mensch weiß ich, welches Privileg es ist, sich selbst versorgen zu können. Mit gebrochenem Oberschenkel ist es damit schnell vorbei. Ich bin deshalb vorsichtig.
Ich spaziere durch den Wald. Ein Radler taucht plötzlich neben mir auf. Ich habe ihn nicht kommen hören. Plötzlich ist er da und schon wieder weg. Ich erschrecke. Ich rufe ihm nach: „Haben Sie keine Klingel?“ Er antwortet: „Das hat ein Mountainbiker nicht.“ Ich ärgere mich.

Mir führt unsere Begegnung vor Augen, was die vielbeschworene Rücksichtnahme bedeutet: Ich kann als 34-jähriger nicht davon ausgehen, dass andere Gleiches wahrnehmen. Andere bemerken mich deutlich später als ich sie, Distanzen und Situationen werden unterschiedlich eingeschätzt. Ich kann als Mountainbiker nicht davon ausgehen, dass andere die gleiche Freude empfinden, mit hoher Geschwindigkeit über schmale, schwierige Wege zu fahren. Muss das jeder verstehen? Welche Konsequenzen hat es für mich, wenn ich abbremse, wenn ich einen Fußgänger sehe? Der Flow ist weg, aber steht der über dem Frieden eines Spaziergängers? Ein freundlicher Gruß - schau her, ich tu dir nichts - macht Radler wie Fußgänger froh.

Der Meilwald ist eines der wenigen verbleibenden Waldstücke in unmittelbarer Nähe von Erlangen, in denen legal mit dem Mountainbike gefahren werden darf. Gleichzeitig ist es auch das wichtigste Naherholungsgebiet für alle möglichen anderen Naturnutzer. Entsprechend oft werden wir als Mountainbiker mit ihnen in Kontakt kommen. Versetzen wir uns in unser Gegenüber. Ein Kontakt darf kein Konflikt werden!

Donnerstag, 21. Juli 2016

Zum Sebalder Reichswald

Die AG Tennenlohe der DIMB IG MTB Erlangen hat in monatelanger Arbeit mit einer Sondergenehmigung eine aufwändige Analyse des im Sebalder Reichswald vorhandenen Trailnetzes außerhalb des Naturschutzgebietes durchgeführt und ein Konzept für ein Trailnetz sowie einen Lösungsvorschlag entwickelt. Das Papier (Download hier) wurde den Behördenvertretern übergeben - zurück bleibt ein Gefühl der Frustration, dass diese Arbeit umsonst gewesen sein könnte.
Auch wenn es in letzter Zeit wieder ruhiger geworden ist um den Sebalder Forst, wollen wir uns aus diesem Anlass nochmals dem Gebiet zwischen Erlangen im Nordwesten und Kalchreuth im Südosten widmen und das bisher Geschehene zusammenfassen.

Ausgangslage


Nach ersten Kontrollen im Bereich des Naturschutzgebietes im Juli 2014 wurde 2015 mit den Kontrollen an der Winterleite im Kalchreuther Forst die Vollstreckung der Sperrverordnung fortgesetzt. Die verschiedenen Interessengruppen entfernten sich zusehends voneinander, die Positionen drohten sich zu verhärten.
Aus unserer Sicht war und ist es dringend notwendig, dass alle Parteien die Dimension des Geschehens erfassen. Im folgenden Text versuchen wir zu erklären, warum die Sperrverordnung unter bestimmten Gesichtspunkten durchaus ihre Berechtigung hat, auf der anderen Seite wollen wir aber auch argumentativ belegen, dass der derzeitige Versuch zum Scheitern verurteilt ist. Wenn es das zentrale Anliegen der Verordnung ist, den Bürger vor Gefahren zu schützen, dann sollte die gegenwärtige Beschlusslage nochmals kritisch hinterfragt werden.

Historisches

Unbestritten ist die lange Nutzung des Sebalder Forst als Truppenübungs- und Schießplatz nicht spurlos an dem Waldstück vorübergegangen. Vor allem die aus den Jahren 1939 - 1945 stammenden Altlasten, welche aufgrund des herrschenden Mangels an Übungsgranaten auch aus scharfer Munition bestehen, sowie die Rückstände der Nutzung durch die US-Amerikanischen Truppen sind wohl als besonders kritisch anzusehen. 1993 ist mit dem Abzug der Amerikaner das Gebiet zurück in den Besitz der öffentlichen Hand gefallen, inklusive einer unbekannten Menge teils hochexplosivem Materials, deren Ausmaß und Lokalisation weitgehend unbekannt sind.

Schnell nachdem das Gelände der Öffentlichkeit zugänglich war, wurde die erste Sperrverordnung für das Gebiet am 24.03.1994 verabschiedet, welche das Betreten des Waldes nur auf befestigten Wegen erlaubte. Das Landratsamt Erlangen Höchstadt hat diese nach 20 Jahren auslaufende Verordnung  am 01.04.2014 aktualisiert und konkretisiert, indem eine Karte mit den explizit freigegebenen Wegen angefügt wurde.
Im Sommer 2003 wurde der erste Teil des Pferdegeheges angelegt. Im Vorfeld wurde der Bereich des geplanten Zauns entmunitioniert. Schilderungen der Verantwortlichen nach wurden dabei rund 90 Granaten, teilweise aus der Zeit vor 1945 gefunden. Wie oben geschrieben handelte es sich dabei keineswegs ausschließlich um Übungsmunition.
Im Jahre 2010 wurde dann die Erweiterung des Pferdegeheges um den Bereich im Südwesten des Kugelfangs durchgeführt. Auch hier wurde im Vorfeld entmunitioniert und reichlich Explosivmaterial geborgen. Ungefähr in diesem Zeitraum wurde auch mittels großer, drastisch formulierter Warnschilder auf eine Explosionsgefahr und das Betretungsverbot hingewiesen. Das Landratsamt versichert, dass Verbotsschilder auch vorher schon aufgestellt gewesen wären, dem Autor und anderen befragten Personen ist eine derartige Beschilderung jedoch erst mit Aufstellung der im Artikel der NN gezeigten Schilder bewusst geworden. Zeitgleich mit den Verbotsschildern sind auch "für Radfahrer verboten" Schilder im Bereich des Pferdegeheges aufgestellt und dort erste Kontrollen durchgeführt worden.
Seit dem 01.04.2014 hat sich mit der finalen Version der Sperrverordnung eine erneute Verschlechterung des Status Quo eingestellt. Durch die explizite Angabe erlaubter Wege ist die alte Definition der "befestigten Wege" hinfällig. Die bis dahin bestehende Möglichkeit, einen Weg hinsichtlich eigener Erfahrungen und Vorstellungen als befestigt anzusehen, war damit auch nicht weiter möglich. Im Sommer 2014 wurden die ersten Kontrollen im Bereich des Naturschutzgebietes berichtet. Auch im Sommer 2015 erreichten uns weiterhin Berichte über Polizeikontrollen an der Winterleite. Noch blieb es in den uns bekannten Fällen bei einer mündlichen Verwarnung, es ist nach bestehender Gesetzteslage jederzeit möglich auch Bußgelder zu verhängen.

Welche Argumente bringen die Behördenvertreter

Naturgemäß ist es leichter für uns, die verschiedenen Facetten des Meinungsbildes innerhalb der MTB Gemeinschaft zu erfassen. Aus Gesprächen, Berichten und verschiedenen anderen Quellen lassen sich jedoch einige Kernpunkte in der Argumentation der Behördenvertreter extrahieren.


Ein häufig genanntes Argument ist, dass das tatsächliche Gefährdungspotenzial auf Seiten der Naturnutzer unterschätzt werden würde. Kaum zu glauben, aber leider können die Fundstellen von Sprengkörpern nicht öffentlich gemacht werden, weil die Gefahr zu groß ist, dass an den bezeichneten Stellen gezielt danach gesucht wird. Das Naturschutzgebiet ist der Bereich, in dem die tatsächliche Belastung bedingt durch die dort durchgeführte Kampfmittelräumung am besten bekannt ist. Die Funde im Bereich des Pferdegeheges lassen darauf schließen, dass der gesamte Bereich des Naturschutzgebietes kontaminiert und damit als potenziell lebensgefährlich anzusehen ist. Außerhalb dieses Gebietes werden die Informationen vage. Berichte über Spaziergänger, die Sprengkörper fanden, oder einen Pilzesammler der neben Pilzen auch scharfe Munition gefunden und mitgenommen hatte, verdeutlichen aber, dass ein Risiko besteht. Es besteht die Möglichkeit, anhand so genannter historischer Analysen (Auswertung zeitgeschichtlicher Dokumente und Fotos) abzuschätzen, wo ein erhöhtes Gefährdungspotenzial besteht. Grundsätzlich sind die staatlichen Stellen jedoch der Auffassung, dass Kampfmittel am besten dort aufgehoben sind, wo Sie gerade lagern, solange sichergestellt ist, dass sie dort ungestört liegen. Entmunitionierung ist teuer und gefährlich. Anstatt hohe Kosten, Gefährdung von Menschen (Kampfmittelräumern) und einen nicht abzuschätzenden ökologischen Schaden in Kauf zu nehmen, liegt es für die Behörden auf der Hand die Explosivkörper ungestört liegen zu lassen und dabei eine aus ihrer Sicht vertretbare Beschränkung des Nutzwertes in Kauf zu nehmen.
Damit man sich nicht stillschweigende Inkaufnahme unterstellen lassen muss, ist die Vollstreckung der Verordnung die letztendliche Konsequenz.

Warum die Verordnung nicht angenommen wird

Niemand möchte sich im Krankenhaus mit nur noch einem Bein wieder finden, warum also wird die Verordnung von den Menschen - Hundebesitzern, Mountainbikern, Spaziergängern, Nordic-Walkern, Pilzesammlern gleichermaßen -  nicht angenommen? Hier müssen verschiedene Aspekte betrachtet werden, um zu verstehen, warum die von der Regelung Betroffenen nicht immer bereit sind, sich an diese zu halten.

Im Gegensatz zu den Wäldern des Naturschutzgebietes, in denen nur Forstangestellte und Beamte in Erfüllung ihrer Dientspflicht Betretungsrecht bekommen, ist die Handhabung in den Wäldern des Landkreises inkonsequent. Beispielsweise ist es ohne weitere Gefahrenbelehrung möglich, einen Holzsammelschein zu bekommen, oder sich die Erlaubnis zum Schlagen eines Weihnachtsbaumes zu besorgen. Die Gemeinde Kalchreuth weist sogar Nordic-Walking Strecken aus, die der Sperrverordnung widersprechen. Selbst das Forstamt Erlangen lädt mit der Broschüre "Gedenksteine, Quellen und andere Besonderheiten im Sebalder Reichswald" zum Besuch von Stätten ein, deren Begehung eine Verletzung der Sperrverordnung notwendig machen. Gleiches gilt für einige über die vom Landratsamt betriebene Seite freizeit-erh.de beworbene Wege.
Im Naturschutzgebiet ist zwar ohnehin das Fahren von Fahrzeugen aller Art verboten, jedoch wird Radfahren auf den geschotterten Wegen geduldet. Die Befahrung entlang des Gatters wird wiederum bestraft, obwohl es sich dabei um einen frei gegebenen Weg im Sinne der Sperrverordnung handelt, welcher jedoch gesondert für Radfahrer gesperrt ist.

Ein weiterer Aspekt ist die zeitliche Entwicklung. Bereits unmittelbar nach Öffnung des Areals entwickelten sich im Bereich der sog. Winterleite Nahe Kalchreuth Mountainbike Trails, die ergänzt durch Zufahrtsstrecken schnell zu beliebten Hausrunden für Sportler der näheren Umgebung wurden. Lange Jahre konnte sich der Sport entwickeln und erfreute sich wachsender Popularität. In der von der in Entstehung befindlichen IG MTB Erlangen im Jahr 2014 durchgeführten Umfrage wurde das Gebiet Tenneloher Forst von etwa 80% der Teilnehmer als häufig frequentiertes Gebiet angegeben. Betrachtet man nur die Teilnehmer der von Umfrage, so legen diese bis 2014 pro Jahr über 50.000 km Strecke in dem betrachteten Gebiet zurück. Dass die tatsächliche Zahl weitaus höher ist erklärt sich von selbst. Die dabei gewählten Wege sind überwiegend verboten, da die erlaubten Wege völlig ungeeignet zur Ausübung des Sports sind. Viele der etablierten Routen werden an manchen Tagen sicher mehr als 100 mal überfahren, von einem Zwischenfall wurde in dieser Zeit nichts bekannt. Diese Entwicklung aufgrund einer angeblichen Gefährdung nun mit verschärften Sanktionen rückgängig machen zu wollen stößt bei vielen auf Unverständnis. Im Zusammenhang mit der oben geschilderten Inkonsequenz steigt die Bereitschaft, das Verbot zu missachten.

Die tatsächliche Gefährdung wird, bedingt durch die langjährige folgenlose Nutzung, von den Erholungssuchenden anders beurteilt, als die Behörden dies tun. Natürlich ist es völlig legitim zu argumentieren, dass diese Einschätzung auf Unkenntnis der Umstände basiert und demzufolge falsch sein muss. Fakt ist aber, dass unter Betrachtung der letzten 20 Jahre Radfahren im Erlanger Stadtgebiet rein statistisch gefährlicher ist, als Mountainbiken im Sebalder Forst.
Innerhalb der Sperrverordnung wird nicht zwischen Flächen hoher und niedriger Gefährdung unterschieden. Andererseits kann wohl ausgeschlossen werden, dass im Bereich des OBI Kreisels die Gefährdung genauso hoch ist, wie innerhalb des Pferdegeheges. Kontrollen in Bereichen vermutlich niedriger Gefährdung, wie z.B. an der Winterleite, legen den Schluss nahe, dass die Verordnung auch missbräuchlich verwendet wird, um andere Interessen zu bedienen. Unserer Auffassung nach begünstigt das Ausmaß des Betretungsverbotes dessen Missachtung in wirklich kritischen Bereichen. Der überzogene Versuch, die Bürger zu schützen führt also letztendlich zu deren Gefährdung.

Nicht zuletzt ist das Gebiet mittlerweile über regionale Grenzen hinaus als Moutainbike Gebiet bekannt. In einschlägigen Internetportalen lassen sich die klassischen Runden in Form von GPS Routen finden. Ein beträchtlicher Anteil der Gelegenheitsradler wird erstaunt sein, wenn er auf einer dieser Routen von der Polizei informiert wird, dass er mit einem Bußgeld von bis zu 1000 Euro belegt werden kann, da diese Information die Mountainbiker - aber auch die anderen Zielgruppen des Verbotes - gar nicht erst erreicht hat.

Was kann man tun

Das Dilemma ist nicht von der Hand zu weisen. Den Behörden kann es nicht zum  Vorwurf gemacht werden, dass sie die Bürger schützen wollen. Die im Internet teilweise extrem hitzig geführten Diskussionen sind hierfür nicht die richtige Antwort. Auf der anderen Seite stehen aber mündige Bürger, die sich nicht gegen ihren Willen schützen lassen wollen und zum Teil bedingt durch oben genannte Argumente an der Notwendigkeit dieses umfassenden Schutzes zweifeln. Die große Zahl von Erholungssuchenden, welche den Sebalder Forst nutzen, um ihren Bewegungsdrang auszuleben, wird von den Forstbehörden vermutlich ebenfalls unterschätzt. Dass es hierfür nicht genügt, ausschließlich geschotterte Wege zur Verfügung zu stellen, kann ein Nicht-Mountainbiker vermutlich schlecht nachvollziehen.


Die aus unserer Sicht logische Konsequenz ist, dass die Sperrverordnung in der jetzigen Form überdacht werden muss. Nötigenfalls sind neue Gutachten zu erstellen und weniger gefährdete Bereiche soweit verantwortbar wieder frei zu geben, um die Einhaltung des Betretungsverbotes in hochgefährdeten Gebieten zu fördern.
Weiterhin sollte eine konsequente Linie im Umgang mit dem Betretungsverbot umgesetzt werden. Wo eine Gefährdung besteht, besteht diese für alle Bevölkerungsgruppen. Kontrollen sollten vornehmlich in Gebieten erfolgen, in denen auch eine hohe Gefährdung vermutet wird und nicht dort, wo überdurchschnittlich viele Mountainbiker anzutreffen sind. Besonders kritische Bereiche sollten, sofern nicht schon geschehen, eingezäunt werden.
Nicht zuletzt empfehlen wir ein höheres Maß an Transparenz den Bürgern gegenüber. Die Zeiten, in denen mit Verbot und Keule Gesetze durchgesetzt werden konnten sind vorbei. Wer möchte, dass mündige Bürger aus ihrer Sicht fragwürdige Bestimmungen einhalten, der muss die Bürger von deren Notwendigkeit überzeugen.
Hinsichtlich der Verbreitung von Streckenprofilen im Sebalder Forst kann veranlasst werden, dass diese Routen wieder aus den GPS-Portalen genommen werden. Es sollte versucht werden, die Information über die Gefährdungslage in den Gebieten nicht nur passiv (z.B. über die Website des LRA ERH), sondern auch aktiv, z.B. über die einschlägigen Tourenportale, zu verbreiten.

Ob hinsichtlich der Sperrverordnung noch Bewegung zu erwarten ist kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand sagen. In näherer Zukunft sicherlich nicht. Die Behörden scheinen zufrieden mit der aus ihrer Sicht sinnvollen und auch bequemen Lösung. Dass die Verordnung zu einer Verringerung des Publikumsverkehrs führen wird ist derzeit nur mit massivem personellen Aufwand seitens der Kontrollinstanzen vorstellbar und wenn, dann wird der Effekt nur von kurzer Dauer sein. Wir können nur den Willen zur Zusammenarbeit betonen und hoffen auf die Vernunft der Naturnutzer, aber auch auf ein Gespür für Verhältnismäßigkeit bei etwaigen Kontrollen. Ob man zum Zwecke des persönlichen Ausgleichs bereit ist Gesetze zu missachten, das muss jeder mit sich selbst vereinbaren. Vielleicht gibt es ja doch Alternativen, die bisher noch nicht in Betracht gezogen wurden? Wir sind jedoch nicht so naiv zu denken, dass alle Erholungssuchenden bereit sind, ihre über 20 Jahre gepflegten Gewohnheiten aufzugeben. Sollte man sich entschließen, aller Warnungen zum Trotz die gesperrten Gebiete des Sebalder Reichswaldes auf nicht genehmigten Wegen zu betreten, dann empfehlen wir, soweit möglich zumindest den Bereich höchster Gefährdung innerhalb des Naturschutzgebietes bis auf weiteres zu meiden und vor allem die Neuanlage von Strecken zu unterlassen.


In diesem Sinne,
keep on riding (safe places)

IG MTB Erlangen

Quellen:
[1] LRA ERH
[2] Verordnung NSG Tennenlohe
[3] Projekt Wildpferde
[4] DBU Projekt Wildpferde
[5] Erlanger Nachrichten
[6] Gemeinde Kalchreuth
[7] Landkreis ERH
[8] Range Tennenlohe
[9] Horneber, Helmut Die Übungsplätze der Erlanger Garnisonen im Sebalder Reichswald 1868 bis 1994, Erlanger Bausteine zur fränkischen Heimatforschung Band 43
[10]  Stadt Erlangen Verkehrsstatistik
[11] GPS Tourinfo 

Dienstag, 7. Juni 2016

Trailpflegeaktion im Privatwald bei Adlitz


Mountainbiker lieben Singletrails. Dabei machen wir uns nicht immer bewusst, dass diese Wege in der Regel Besitzer haben. Idealerweise bremsen wir umweltverträglich und nutzen Wege nicht, wenn es heftig geregnet hat und diese aufgeweicht sind. Trotzdem kommt es vor, dass die Wege unter häufiger Nutzung leiden. In Erlangen traf dies auf einen Weg nach Adlitz zu

Dieser führt durch einen wunderschön bewaldeten Taleinschnitt in eine Senke und schlängelt sich dann über Wurzelwerk direkt an einem kleinen Wasserlauf entlang. Da der Flusslauf den sandigen Boden im Lauf der Zeit immer weiter ausgewaschen hat, drohte der Weg nun an seiner schmalsten Stelle abzurutschen.
Von Anfang an war es Ziel der DIMB IG, sich nicht nur für die freie Nutzung der vorhanden Wege einzusetzen, sondern sich auch für ihre Pflege zu engagieren. Martin, Kay und Detlef haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt und beschlossen, das Projekt „Hangabstützung“ in Absprache mit den Eigentümern des Waldes Christine und Jean umzusetzen. 

Aber nicht irgendwie..., professionell sollte es schon sein. Über Monate wurden Bücher und Skripte über Wegebau gewälzt, Weidenstecklinge im Keller eingelagert, Materiallisten erstellt und unzählige Mails mit den Besitzern des 1 ha großen Waldstücks gewechselt durch das der Weg verläuft. Am 4. und 5. Juni war es dann soweit. Jean hatte Zeit und sogar das Wetter hatte ein Einsehen und verschonte die Bautruppe von den ergiebigen Regengüssen der vorangegangen Woche.


Bis zum Knie im Schlamm watend und von Horden an Steckmücken drangsaliert wurden Pflöcke in den Bachlauf gerammt, Querbalken fixiert, Steine als Füllmaterial herbeigetragen und die Konstruktion mit Gewindestangen fixiert. Christine versorgte die fleißigen Helfer mit leckerem Kuchen und Kaffee, Jean selbst kümmerte sich um den Holzzuschnitt.
Am Sonntag war das Werk dann vollendet und kann sich sehen lassen.

Ein bissl stolz sind wir schon auf das Ergebnis und können einen weiteren Haken auf unserer ganz persönlichen „how to be a mountainbiker“-Liste setzen.

Trail gebaut. Yeah!
Großes Dankeschön an die Buddeltruppe Martin, Kay, Detlef, Sandra, Sabine, René, Johannes, Yvonne, Tom, Sebastian und Deseo (Buddelhund). Ihr wart großartig!

Mittwoch, 4. Mai 2016

MIL 1 - Projekt mit Vorzeigecharakter

In Regionen in denen Tourismus einen höheren Stellenwert hat, als im städtischen Raum, lassen sich mit etwas gutem Willen erstaunliche Projekte realisieren. Behörden, Naturschutz und Mountainbiker haben in Miltenberg am Main eine Mountainbike Strecke, die “MIL 1” ausgewiesen, die wir uns bei unserem diesjährigen "Season-Opening" näher anschauen wollten. Rückblickend kann man guten Gewissens sagen, dass sich die Anreise von etwas mehr als zwei Stunden in jeder Hinsicht gelohnt habt.  
Am Samstag durften wir den Luxus genießen, dass sich gleich drei Locals – Klaus, Stefan und Thomas von Mountainbike Miltenberg – als Guides zur Verfügung gestellt hatten. Auf dem Programm stand die „Großheubach-Runde“. Mit ca. 60 km und über 1.000 hm konditionell durchaus fordernd mit spaßigen Trailabschnitten, schönen Ausblicken und Klostereinkehr.  In jedem Fall empfehlenswert ist der abschließende Einkehrschwung in die Eisdiele in Bürgstadt, direkt am Mainufer.
 Auf den langen Anstiegen blieb ausreichend Zeit, die Miltenberger über die Entstehungsgeschichte der „MIL 1“ Strecke auszufragen. Der Name deutet es bereits an – die Miltenberger Biker sind überaus aktiv und planen eine stetige Erweiterung des Streckennetzes. Daher ist das Motto der Truppe auch „no dig – no ride“. Derzeit befindet sich die Strecke im Prozess der Legalisierung. Als sie seinerzeit geplant wurde, waren umfangreiche Absprachen mit Gemeinde, Behörden und auch dem Förster getroffen worden. Leider aber nur mündlich. Zusätzlich zur aufwändigen Pflege der Strecke müssen derzeit also Anträge geschrieben, die Haftungsfrage mit der Stadt geklärt und die Vereinsarbeit weiter vorangetrieben werden. Auch wenn „Mountainbike Miltenberg“ viele Mitglieder hat – bei der Trailpflege könnten weitere helfende Hände gut gebraucht werden. Die Erdauflage auf dem Sandsteinuntergrund ist dünn und wird leicht weggeschwemmt. Trailpflege bedeutet daher unter anderem schweißtreibendes Ankarren von Erde mit der Schubkarre.
Im Gegensatz zu anderen Gebieten bitten die Locals nicht darum, die Strecke geheim zu halten, sondern bewerben sie sogar auf ihrer Website. Besucher sind willkommen, schließlich tragen sie dazu bei, die Behörden vor Ort vom touristischen Mehrwert der Biker zu überzeugen und die Ausweisung weiterer Strecken zu erleichtern.
Die Biker möchten die Strecke allerdings nicht als Downhillstrecke verstanden wissen. Es ist ein 29 km langer Rundkurs, der zu 60% auf befestigten Wegen verläuft, was die Bewältigung der längeren Auffahrten deutlich erleichtert. Die restlichen 40% der Strecke bestehen aus anspruchsvollen Trailabschnitten, z.B. dem „Quellentrail“, „Tobi’s Trail“ oder dem „Jägersteig“. Die Strecke sollte auch als Rundkurs gefahren werden und setzt eine saubere Fahr- und insbesondere Bremstechnik voraus. Als Einkehr nach der Tour bietet sich das Schützenhaus beim Startpunkt der Tour oberhalb von Miltenberg an. Wie Klaus mit einem Augenzwinkern bemerkt, sind Biker hier sehr gerne gesehen und stellen mittlerweile den Großteil der Kundschaft. Haben wir ausprobiert und können es uneingeschränkt empfehlen.
Wer sich selbst ein Bild vor Ort machen möchte, der findet in Miltenberg zahlreiche Unterkünfte. Eine frühzeitige Buchung ist empfehlenswert, das malerische Städtchen mit seinen engen Gassen, Fachwerkhäusern und der Burg ist bei internationalen Touristen und Flussschiffreisenden sehr beliebt und ein idealer Ausgangspunkt für Touren jedweder Art. Wir selbst waren auf Empfehlung der Miltenberger Mountainbiker im Hotel Miltenburg untergebracht, geboten wird herzlicher Service, sehr gutes und reichhaltiges Frühstück und natürlich eine abschließbare Bikegarage.
Einen herzlichen Dank an dieser Stelle für die Gastfreundschaft und die wirklich fantastische Arbeit am Trail. Wir kommen gerne wieder!

Mittwoch, 11. November 2015

Verordnung "Wildnis am Rathsberg" - Teil 2

Wie im August berichtet ist eine neue Verordnung für das Naturschutzgebiet "Wildnis am Rathsberg" in Arbeit, bei deren Gestaltung auch die DIMB IG Erlangen an der Seite des DAV mitzuwirken versucht. Insbesondere die Präzisierung des Betretungsrechts, welches in der neuen Fassung für Fußgänger und Radfahrer nur noch einen breiten Schotterweg vorsieht, ist uns ein Dorn im Auge.

Leider lässt eine uns vorliegende Antwort der Regierung von Mittelfranken nicht auf eine Anpassung des Verordnungsentwurfes hoffen. Unser Vorschlag, einen weitgehend naturbelassenen Weg durch das Naturschutzgebiet für Fußgänger und MTBer frei zu geben wird demnach keine Berücksichtigung finden. U. a. werden die Konflikte zwischen Privatwaldbesitzern und MTBern angeführt, um die Ablehnung zu rechtfertigen. Die Frage, wie dem Drang der Bevölkerung nach sportlichem Ausgleich in ursprünglicher Natur Rechnung getragen werden kann, bleibt unbeantwortet.

Aus unserer Sicht ein weiterer Schritt in die falsche Richtung, der anstatt zur Entspannung wohl eher zu einer Verschärfung der gegenwärtigen Problematik beitragen wird.

Die, wie z.B. am südwestlichen Ende des Gebiets angebrachten "Radfahren verboten" Schilder legen dem Besucher nahe, dass ein Betreten zu Fuß erlaubt wäre. Auch das ist verboten! Diese einseitige Beschilderung lässt den Schluss zu, dass es damit nicht primär um den Schutz der Natur, sondern um die Diskriminierung von Mountainbikern geht.